Unterwegs im hippen Williamsburg

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Hippe Cafés, Trödelläden und angesagte Bars: Das einstige Arbeiterviertel Williamsburg ist zum In-Viertel für Künstler, Musiker und Hipster avanciert. Ein Besuch in Brooklyns Stadtteil zwischen East River und Queens.

Am Ufer des East River pfeift der Wind hinauf in Richtung Norden. Eine Horde gackernder Gänse sucht hinter Büschen und Steinen Schutz vor der eisigen Luft. Nur wenige Menschen sind an diesem Tag an der Flusspromenade in Williamsburg unterwegs. Eingehüllt in eine dicke Daunenjacke schlurft ein Mann mit langsamen Schritten durch den East River State Park, von wo aus sich ein atemberaubender Blick auf die Skyline Manhattans bietet. Einen Blick dafür hat er allerdings nicht. Vielmehr gilt seine Aufmerksamkeit einem der vielen kleinen Cafés in dem hippen Stadtviertel, in dem er Schutz vor dem Wetter sucht.

Wer Brooklyns Stadtteil Williamsburg besucht, merkt schnell, dass die Uhren dort anders ticken als im hektischen Manhattan. Im Schatten der Williamsburgbridge schlendern die Einwohner durch ihre Straßen: Sonnenbebrillte Hipster in Schlabberpulli und Turnschuhen, Geschäftsleute im schicken Sacko und in Röhrenjeans. Das einsitige Arbeiterviertel Williamsburg hat sich längst zum „place to be“ für Künstler und Szenekenner gemausert. In Cafés schlürfen die Besucher Chai Latte und Matcha-Tee, in Krimskramsläden und Second-Hand-Geschäften werden Individualisten auf der Suche nach stylischen Klamotten und Accessoires fündig. Durch die anfangs niedrigen Mieten avancierte das einstige Slum zum Trendviertel. Heute ist Williamsburg Heimat von ultra-orthodoxen Juden, die sich nach dem Holocaust in den 50er- und 60er-Jahren dort ansiedelten, genauso wie von Einwanderern aus Puerto Rico, der Dominikanischen Republik, Ecuador, Polen oder Italien. Es sind die Menschen, die dort Leben, die den Stadtteil so unverwechselbar machen.

„Hier gibt es keine wirklichen Sehenswürdigkeiten, man muss Williamsburg einfach auf sich wirken lassen und es spüren“, sagt Dakota Celeste Bouher, die im Café Marlow and Sons am Broadway Ecke Berry Street arbeitet. Die zierliche Frau mit den verwirbelten Locken siedelte 2015 von Oregon nach Brooklyn um. Sie lächelt, wenn sie über ihren Stadtteil spricht und gibt einige Tipps. Wichtigster Ausgangspunkt für eine Tour durch Williamsburg sei die Bedford Street, die als Hauptschlagader des Viertels gilt. Die Straße liegt nur wenige Minuten vom Café entfernt – und bietet ein Sammelsurium an unterschiedlichsten Eindrücken. An der Straße wechseln sich Boutiquen, Handwerkerläden und Frisöre ab. Die Bedford Street ist Brooklyns kreatives Zentrum und läuft von Nord nach Süd durch den Stadtteil.

Dakotas zweiter Tipp führt direkt an den Hudson River, von dessen Ufer aus sich die Wolkenkratzer Manhattens beobachten lassen. Der öffentlich zugängliche East River State Park ist mit einem kleinen Sandstrand und einem großen Spielplatz ausgestattet, der gerade im Sommer zum Verweilen einlädt. Auf ein Bad im kühlen Nass müssen Besucher und Bewohner aber sogar bei den heißesten Temperaturen verzichten: durch die Strömung im East River ist das Baden dort verboten. Bei Regen oder Kälte kann man sich in den vielen Cafés, die in den Querstraßen des Viertels zu finden sind, bei einer Tasse Kaffee, heißer Schokolade oder Tee aufwärmen.

Wie lange sich das beschauliche Idyll am Ufer des East River noch halten wird? Dakota zuckt mit den Achseln. In den vergangenen Jahren habe sich Williamsburg stark verändert. Immobilenfirmen entdeckten das Viertel für sich, Mietpreise schnellten in die Höhe. An einigen Stellen entstehen moderne Gebäudekomplexe, Ladenketten vertreiben immer mehr die kleinen Stores. Und dennoch: Wer auf der Suche nach trendigen Shops, hübschen Cafés und dem alternativen New York ist, der sollte sich einen Besuch in Williamsburg nicht entgehen lassen.

Nach Williamsburg kommt ihr von Manhattan aus bequem mit der Linie L (Bedford Avenue) oder den Linien JMZ (Marcy Avenue). Ab 2019 wird die Strecke der Linie L allerdings für rund eineinhalb Jahre stillgelegt. New Yorks Verkehrsbetreiber MTA möchte in dieser Zeit Schäden reparieren, die Hurricane Sandy im Jahr 2012 dort hinterlassen hat.

© Fotos: Madeleine Schuster/Florian Ankner

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